“Luftkreuz des Westens“ - Butzweilerhof
Die Geschichte des Flughafens Butzweilerhof ist kurz, aber bedeutsam. Ursprünglich ein Ackerland, auf dem 1910 erste experimentelle Flugversuche stattfanden, wurde er 1913 zu einem Militärflugplatz ausgebaut, an dem bekannte Flugschüler wie Werner Voss und Manfred von Richthofen, der „Rote Baron“, ausgebildet wurden.
Unter dem Kölner Oberbürgermeister (und ab 1949 Bundeskanzler) Konrad Adenauer entwickelte sich Butzweilerhof ab 1926 zu einem bedeutenden zivilen Flughafen. Nach der Erweiterung mit modernen Anlagen im Jahr 1936 avancierte er zum „Luftkreuz des Westens“ und war nach Berlin-Tempelhof der zweitgrößte Flughafen Deutschlands.
Der zivile Flugbetrieb wurde dort 1939 eingestellt und nach dem Zweiten Weltkrieg nicht wieder aufgenommen, da der Flughafen stattdessen von der britischen Royal Air Force genutzt wurde (ähnlich wie nach dem Ersten Weltkrieg). Butzweilerhof diente jedoch bis 1980 der Sportfliegerei. Heute ist das Gelände Teil eines modernen Wohn- und Geschäftsviertels, dessen erhaltene Gebäude an die Vergangenheit des Flughafens als Luftfahrtstandort erinnern.
Bilder + Bildunterschriften
Nutzung des Butzweilerhofs im Laufe der Zeit
- Preußischer Fliegerstation (1913–1918)
- Stützpunkt der britischen Royal Air Force (1918–1926 und 1945–1967)
- Internationaler Flughafen (1926–1939)
- Stützpunkt der deutschen Luftwaffe (1939–1945)
- Stützpunkt der belgischen Armee (1957–1995)
Konrad Adenauer
Oberbürgermeister von Köln (1917–1933) und späterer Bundeskanzler (1949–1963) auf dem Flughafen Butzweilerhof im Jahr 1926. Adenauer trieb den Ausbau des Flughafens voran und etablierte ihn als „Luftkreuz des Westens“, um Köln nach dem Ersten Weltkrieg wieder mit den wichtigsten westeuropäischen Städten zu verbinden. Diese Vision spiegelt sich auch in Adenauers Bemühungen um die europäische und transatlantische Integration (West-)Deutschlands ab 1949 wider.
Deutsche Luft Hansa
Die moderne Lufthansa geht auf die „Deutsche Luft Hansa“ zurück, auch wenn der Übergang, insbesondere aufgrund des Zweiten Weltkriegs, nicht geradlinig verlief. In den 1920er- und 1930er-Jahren war die Deutsche Luft Hansa in Köln stark vertreten und legte damit den Grundstein für die heutige Fluggesellschaft. In dieser Zeit diente der Flughafen Butzweilerhof als wichtiger Verkehrsknotenpunkt für Inlands- und Auslandsflüge.
Erholung am Flughafen
„Darf ich Ihnen ein Stück Kuchen und eine Tasse Kaffee servieren?“ – Die Restaurantterrasse des ursprünglichen Flughafengebäudes mit ihrer Holzarchitektur und ihrem luftigen Charme wirkte eher wie ein ländliches Refugium als ein geschäftiges Drehkreuz für Flugreisen. Aufgrund der im kommerziellen Flugverkehr gesammelten Erfahrungen wurden 1936 modernere Einrichtungen eröffnet.
Nach der Eröffnung der neuen Anlagen im Jahr 1936 nutzten die Kölner das öffentlich zugängliche Restaurant und die Besuchergalerie gerne für einen gemütlichen Sonntagnachmittagsausflug. Von hier aus konnten sie den Flugbetrieb beobachten. Wie ihre elegante Kleidung verriet, war dies mehr als nur ein flüchtiger Besuch – es war ein außergewöhnliches gesellschaftliches Ereignis.
Erstklassiger Shuttle-Service
1926 bot die „Imperial Airways Ltd.“ ihren Passagieren einen Shuttle-Service zwischen dem Butzweilerhof und dem Dom Hotel direkt neben dem Kölner Dom an. Was heute für Reisende Standard ist – ein reibungsloser Transfer zwischen Stadtzentren und Flughäfen – war damals ein seltener Luxus, der nur wenigen Privilegierten vorbehalten war.
Kosmopolitisches Design in totalitären Zeiten
Der neue Flughafen wurde 1936 im Rahmen der Arbeitsbeschaffungsprogramme des NS-Regimes eröffnet, die einen wirtschaftlichen Aufschwung signalisieren und die Kriegsvorbereitungen unterstützen sollten. Ursprünglich war er jedoch kein „Nazi-Flughafen“. Die Planung hatte bereits vor 1933 unter dem damaligen Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer als Teil eines ambitionierten, international ausgerichteten Infrastrukturprojekts begonnen. Ironischerweise folgte die Architektur des Gebäudes den Prinzipien der Bauhaus-Moderne der 1920er-Jahre, die vom NS-Regime als „entartet“ und „undeutsch“ verurteilt wurden.
Butzweilerhof heute
Der zivile Flugbetrieb am zweitgrößten Flughafen Deutschlands wurde mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 eingestellt und in dieser Form auch nie wieder aufgenommen. Doch der Mythos des „Butz“ lebt bis heute fort. Das ehemalige Terminalgebäude ist in seiner ursprünglichen Form erhalten geblieben – dank des ehrenamtlichen Engagements vieler leidenschaftlicher Kölner, die dieses Kapitel der Kölner Luftfahrtgeschichte sichtbar und lebendig halten wollen.
Der stillgelegte Butzweilerhof mit seinen denkmalgeschützten und gut erhaltenen Gebäuden übt auch heute noch eine große Anziehungskraft aus. Er dient als flexibler Veranstaltungsort für verschiedenste Events. Die Kölner Medienbranche nutzt das Gelände regelmäßig für Dreharbeiten, darunter die international gefeierte historische Dramaserie „Babylon Berlin“ und der Film „Hindenburg“, die in der Blütezeit des Flughafens in den 1920er- und 1930er-Jahren spielen.