Cologne Aviation: Wall 3

Airships & Balloons

Background information 

The airship "Cöln"

Dark moments in Cologne’s aviation history

Dunkle Momente in der Kölner Luftfahrtgeschichte

A very sad chapter in Cologne’s airship history and a warning to future generations: on the 5th of August 1914, only one week after the beginning of World War I, the first ever air raid on a civilian target took place. The airship "Cöln" bombed the Belgian city of Liège, killing at least 11 civilians. This attack had no direct military purpose other than to demonstrate German military power and to demoralise the Belgian population.

Ein sehr trauriges Kapitel in der Kölner Luftschiffgeschichte und eine Warnung an kommende Generationen: Am 5. August 1914, nur eine Woche nach Beginn des Ersten Weltkriegs, fand der erste Luftangriff auf ein ziviles Ziel überhaupt statt. Das Luftschiff „Cöln“ bombardierte die belgische Stadt Lüttich und tötete mindestens 11 Zivilisten. Dieser Angriff hatte keinen direkten militärischen Zweck, außer die deutsche militärische Macht zu demonstrieren und die belgische Bevölkerung zu demoralisieren.

The airships "Graf Zeppelin" and the new "Hindenburg"

In 1936, the German Nazi regime used the popularity of the flourishing aviation industry for its propaganda purposes: the airships "Graf Zeppelin" and the new "Hindenburg" travelled across the German Reich and dropped propaganda leaflets, also over Cologne, to further increase support of the aviation-enthusiastic population in the upcoming "elections".

1936 nutzte das nationalsozialistische Regime die Popularität der florierenden Luftfahrtindustrie für seine Propagandazwecke: Die Luftschiffe „Graf Zeppelin“ und das neue „Hindenburg“ reisten durch das Deutsche Reich und warfen Propagandaflugblätter, auch über Köln, ab, um die Unterstützung der luftfahrtbegeisterten Bevölkerung bei den bevorstehenden „Wahlen“ weiter zu steigern.

All pictures: © Historisches Luftfahrtarchiv Köln

Deutsch:

Luftschiffe & Ballone 

1785 lehnte der Kölner Stadtrat den Antrag des französischen Luftfahrtpioniers Jean-Pierre Blanchard ab, in Köln einen Ballon aufsteigen zu lassen. Man hielt es für „verwegen und gottwidrig, ein solches Unterfangen zu wagen“. Zum Glück sollte dies keine endgültige Entscheidung für Köln bleiben. Mit dem technischen Fortschritt der deutschen Luftschifffahrt rückte Köln – dank seiner geografischen Lage und industriellen Basis – bald selbst ins Zentrum des Geschehens. Schon 1907 errichtete der lokale Gummihersteller Franz Clouth auf seinem Werksgelände in Köln-Nippes eine Luftschiffhalle. Hier startete er sein erstes eigenes Luftschiff und experimentierte mit unterschiedlichen Ballon- und Luftschiffkonzepten.

1909 wurde Köln auf Initiative des ältesten deutschen Luftschiffvereins, dem Kölner Club für Luftschiffahrt (KCfL), die erste Stadt im Deutschen Reich, die Ferdinand von Zeppelin eine Halle und technische Infrastruktur zur Verfügung stellte. Die Preußische Militärverwaltung nutzte Köln 1909/1910 intensiv als Erprobungsstandort – ein frühes Zeichen dafür, welche Bedeutung Köln für die Luftschifffahrt besaß.

Bilder + Bildunterschriften

Eine Kölnerin ganz oben: Cläre Greven

1911 startete Cläre Greven zu einer wissenschaftlichen Ballonfahrt von Köln nach Bremen – sechs Stunden in fast 8.000 Metern Höhe bei –22° Celsius, sicherlich kein Erste-Klasse-Flug. Nur ein Jahr später schrieb sie Geschichte: 1912 wurde sie die erste Frau in Deutschland, die alleine einen Ballon fuhr und damit weltweit für Schlagzeilen sorgte.

Der Pionier Franz Clouth

Franz Clouth war Unternehmer, Erfinder und Wegbereiter der deutschen Gummiindustrie. 1862 gründete er die Rheinische Gummiwarenfabrik Franz Clouth, später Clouth Gummiwerke. Seit 1870 wurde in Köln-Nippes produziert.

Clouth lieferte wichtige Materialien für den frühen Luftschiffbau und arbeitete eng mit Ferdinand von Zeppelin zusammen – sein Beitrag war entscheidend für Zeppelins technische Entwicklung.

Ein Kind benannt nach seinem Vater: das Luftschiff Clouth

1909 hob das nach seinem Konstrukteur benannte Luftschiff Clouth von der eigens erbauten Halle in Köln-Nippes ab. Anders als Zeppelins starre Metallluftschiffe war es ein flexibles System: ein großer Ballon, darunter eine Gondel, aufgehängt an Seilen – schnell montier- und demontierbar. 1910 flog die Clouth in unter fünf Stunden nach Brüssel zur Internationalen Ausstellung – ein Prestigeerfolg.

Kölns frühen Flügelschläge

Wie vielerorts in Europa griff die Faszination fürs Fliegen auch in Köln früh um sich. Ein Ballonrennen 1908 zeigt, welche Begeisterung in Köln herrschte. Doch die Geschichte begann noch früher: Bereits 1788 überquerten drei wagemutige Ballonfahrer ohne Genehmigung von Deutz aus den Rhein – der erste belegte Flug über Köln.

Ein Gigant der Lüfte: die Luftschiffhalle Köln-Bickendorf

1909 entstand in Köln-Bickendorf eine gigantische Luftschiffhalle, die 1918 erweitert wurde. 190 Meter lang, 50 Meter breit, 30 Meter hoch – ein Wahrzeichen der Stadt. Besucher zahlten Eintritt für Führungen, während vor der Halle gute Geschäfte mit Bratwurst, Speiseeis, Zaubershows und Souvenirkarten gemacht wurden.

Das letzte Relikt einer großen Ära: Dieser Luftschiffanker wurde als einziges verbliebenes Originalteil von engagierten Luftfahrtenthusiasten vor dem Verschwinden bewahrt. Der Anker wurde für kurze Zwischenstopps genutzt oder wenn die Wetterbedingungen ein Einfahren in den Hangar nicht zuließen.

Faszination Luftschifffahrt

Dieses Foto von einem Flugwochenende 1930 zeigt, warum Luftschiffe damals magische Anziehung ausübten: Selbst das größte Flugzeug seiner Zeit – die Junkers G 38 – wirkt winzig vor dem 237 Meter langen Graf Zeppelin. Bild entstand am Flughafen Butzweilerhof, ein beliebtes Ausflugsziel für Flugschauen außerhalb des regulären Flugbetriebs.