Zusammenarbeit im Höhenflug: Nationale Luftfahrtbehörden und die EASA

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Stellen Sie sich den Himmel über Europa einmal als ein Orchester vor. Jedes Instrument hat eine bestimmte Rolle. Von Piloten und Flugbegleitern in der Luft bis hin zu Ingenieuren, Fluglotsen und Sicherheitsfachleuten am Boden. Gemeinsam sorgen sie dafür, dass die Flugsicherheit in allen Aspekten abgestimmt ist.

Die EASA gibt den Rhythmus vor und legt die Partitur fest. Sie überblickt, was ein guter Musiker in diesem Orchester mitbringen muss. Die nationalen Luftfahrtbehörden (NAA) stellen sicher, dass das Orchester gut besetzt ist, die Instrumente gestimmt sind und alle nach denselben Notenblättern spielen. Sie wenden die Vorschriften der EASA an, überwachen den Betrieb und koordinieren die Sicherheit vor Ort in jedem Mitgliedstaat. 

Gemeinsam stehen sie für den Zusammenklang eines sicheren und effizienten Flugverkehrs in Europa. In diesem Artikel beantworten wir die Fragen, wer die NAA sind, was sie tun und wie sie mit der EASA zusammenarbeiten.

Was ist eine nationale Luftfahrtbehörde (NAA)?

Eine NAA, auch nationale zuständige Behörde oder Zivilluftfahrtbehörde genannt, ist die staatliche Stelle, der die Aufsicht über die Zivilluftfahrt innerhalb eines bestimmten Landes obliegt.

Wie viele NAA gibt es?

Im europäischen Rahmen hat jeder der 31 Mitgliedstaaten der EASA seine eigene NAA, die als „zuständige Behörde“ tätig ist. Der EASA unterstehen die 27 EU-Mitgliedstaaten sowie vier EFTA-Staaten: Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz.

Die Struktur variiert jedoch von Land zu Land. In einigen Staaten deckt eine Organisation alle Bereiche der Luftfahrt ab, während in anderen die Zuständigkeiten auf mehrere Behörden verteilt sind. In föderalen Systemen wie Deutschland kann es sogar mehrere NAA auf Länderebene geben, z. B. bis zu 20 Behörden allein im Bereich der Flugplätze.

Aufgabenspektrum der NAA

Die Zuständigkeiten der NAA decken ein breites Spektrum ab. Die Tätigkeiten könnten von der Erteilung von Pilot- und Ingenieurlizenzen bis zur Zulassung von Organisationen aus dem Bereich der Produktion und zur Aufrechterhaltung der Lufttüchtigkeit reichen. NAA stellen auch Luftverkehrsbetreiberzeugnisse für den gewerblichen Luftverkehr aus, es sei denn, diese Verantwortung wurde der EASA übertragen.

Bei Sicherheitsproblemen untersuchen NAA die jeweiligen Fälle und setzen auch Korrekturmaßnahmen durch. Darüber hinaus tauschen die NAA Sicherheitsinformationen, Warnungen und Empfehlungen mit der EASA und anderen nationalen Behörden aus, wodurch sie einen wichtigen Beitrag zu einer gemeinsamen Sicherheitskultur in Europa leisten.

Wie die NAA und die EASA zusammenarbeiten

Die Zusammenarbeit zwischen der EASA und den NAA besteht insbesondere in der Zuweisung und Übertragung von Aufgaben. Die EASA kann bestimmte Zertifizierungen, Validierungen oder Konformitätsbewertungen an eine akkreditierte NAA delegieren. Zum Beispiel kann eine NAA die Abläufe einer Instandhaltungsorganisation gemäß den EASA-Vorschriften überprüfen und eine Empfehlung an die EASA senden, der die endgültige Entscheidung über die Erteilung oder Änderung eines Zertifikats obliegt.

Diese Arbeitsweise entspricht dem Subsidiaritätsprinzip, einem Grundsatz, der in der EU fest verankert ist: Entscheidungsbefugnisse verbleiben auf der Ebene, auf der sie sinnvollerweise ausgeübt werden können. In der Praxis werden Vorschriften und Regeln auf zentraler EASA-Ebene festgelegt, während die Lizenzvergabe und Zertifizierung häufig auf nationaler Ebene durchgeführt werden.

EASA NAA

Anerkennung von Zertifikaten

Das zentrale Ziel des europäischen Luftfahrtbinnenmarktes ist die gegenseitige Anerkennung von Zertifikaten. Das bedeutet: Ein von einem EU-Mitgliedstaat (oder von der EASA selbst) ausgestelltes Zertifikat, eine Lizenz oder eine Genehmigung wird automatisch in allen 31 EASA-Mitgliedstaaten anerkannt. Dieses System stellt einen reibungslosen und sicheren grenzüberschreitenden Verkehr von Luftfahrzeugen, Teilen und Luftfahrtdiensten unter Wahrung eines hohen Sicherheitsniveaus sicher.

Austausch von Sicherheitsinformationen

Der Informationsaustausch ist ein weiterer wichtiger Bereich der Zusammenarbeit. Die NAA sammeln Meldungen von Vorfällen und Ereignissen in ihrem Hoheitsgebiet und geben diese Informationen in die zentrale Datenbank der EASA ein. Die EASA analysiert die Daten, ermittelt Sicherheitstrends und gibt Sicherheitsempfehlungen oder -anweisungen heraus, die die NAA dann auf nationaler Ebene umsetzen. Dieser kontinuierliche Austausch von Sicherheitsinformationen wird durch Programme wie RAMP (Programm für Risikoanalyse und Risikomanagement) verstärkt, mit denen Sicherheitsrisiken in Europa systematisch bewertet werden, wodurch sichergestellt wird, dass die in einem Teil der EU gewonnenen Erkenntnisse der gesamten Luftfahrtgemeinschaft zugutekommen.

Praxisbeispiele für die Zusammenarbeit zwischen EASA und NAA

Drohnen

Neuere Bereiche wie die Regulierung von Drohnen (auch UAS - Unbemanntes Luftfahrzeugsystem (Unmanned Aircraft System) genannt) sind ein gutes Beispiel für gemeinsame Verantwortung. Drohnenbetreiber müssen sich bei der NAA ihres Mitgliedstaats, in dem sie tätig sind, registrieren lassen. Die NAA überwachen zudem die Kompetenz von Fernpiloten, erstellen und dokumentieren die nationale geografische UAS-Zone und sorgen für die Einhaltung der europäischen Vorschriften. Gleichzeitig stellt die EASA den übergreifenden Rahmen und Leitlinien bereit. 

Drohnen

Luftverkehrsbetreiber

Ebenso werden Luftverkehrsbetreiberzeugnisse (z. B. für Passagier-, Fracht- und Regionalfluggesellschaften) in der Regel von nationalen Behörden ausgestellt, wobei die Mitgliedstaaten diese Zuständigkeit unter bestimmten Umständen (z. B. wenn der Betrieb multinational über mehrere EU-Länder hinweg erfolgt, wenn ein Mitgliedstaat nicht über die erforderlichen technischen Kapazitäten verfügt usw.) an die EASA übertragen können.

Zertifizierung von Luftfahrzeugen

Im Bereich der Luftfahrzeugzertifizierung ist die EASA für die Zulassung neuer Luftfahrzeugtypen und umfangreicher Konstruktionsänderungen zuständig, während die NAA viele der laufenden Zulassungen und die Aufsicht über Instandhaltungs- und Ausbildungsorganisationen übernehmen.

Eine Partnerschaft für Sicherheit des Flugverkehrs in der EU

Die Zusammenarbeit zwischen NAA und der EASA ist eine der größten Stärken Europas im Bereich der Flugsicherheit. Die NAA bringen lokales Fachwissen, Flexibilität und Kenntnisse der nationalen Systeme ein, während die EASA für Einheitlichkeit, Rechenschaftspflicht und internationale Koordinierung sorgt. Gemeinsam bringen sie zentrale Befugnisse und nationale Verantwortung ins Gleichgewicht.